Erfolgreiche Veränderung I: Warum Change?

Dies ist Teil 1 einer 8-teiligen Serie:
1. Warum Change?
2. Häufige Probleme bei Veränderungsinitiativen
3. Gründe für Widerstände
4. Widerstände abbauen
5. Argumente gegen konkrete Widerstände
6. Vorbereitung
7. Robuste Planung
8. Erfolgreiche Umsetzung

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Veränderung ist erforderlich
Als Topmanager ist Ihnen sicherlich bewusst, dass Veränderungen, so schwer sie auch sein mögen, immer wieder erforderlich sind. Ihr Unternehmen muss einen wirksamen Prozess der ständigen Verbesserung aufweisen, um

  • neue Wettbewerbsvorsprünge aufzubauen
  • neue Märkte zu erschließen
  • neue Produkte zu entwickeln
  • Performance zu steigern
  • Effektivität des Ressourceneinsatzes zu verbessern
  • Die Interessen der Stakeholder (Mitarbeiter, Kunden, Eigentümer, Lieferanten) langfristig zu erfüllen
  • Mit der Konkurrenz mithalten
  • Nachhaltig zu florieren

Aber auch externe Faktoren zwingen Unternehmen zu Veränderungen. Rahmenbedingungen in Politik, Wirtschaft und Umwelt verändern sich permanent. Unternehmen müssen sich anpassen, um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten.
Wenn ein Unternehmen die notwendigen Veränderungen verpasst oder zu spät realisiert, wird es im heutigen Markt schnell abgehängt. Es ist ein häufiger Fehler, Veränderungen zu lange aufzuschieben, weil es doch „gerade gut läuft.“ Gerade ein stabiles Unternehmen hat ausreichende Kapazitäten, wirksame Veränderungen durchzuführen, damit es auch morgen noch seine starke Position am Markt innehat.
Wer wartet, bis die ersten Risse erscheinen, wird es bedeutend schwerer haben. Mitarbeiter sind bereits überlastet, Projekte verspätet und Kunden denken über Abspringen nach. In dieser Situation positive Veränderungen durchzuführen, übersteigt meist die Kräfte des Unternehmens. Anstatt stärker, zuverlässiger, besser zu werden, kann es mit hohem Energieaufwand nur noch krampfhaft versuchen, den Anschluss nicht zu verlieren. Das wird schnell zu einem Abwärtsstrudel, bei dem es nur noch ums nackte Überleben geht.
Ein Unternehmen, das dagegen die richtigen Chancen erkennt und die richtigen Rahmenbedingungen ausnutzt, um die notwendigen Veränderungen schnell und nachhaltig zu realisieren, kann den Nutzen für seine Interessengruppen immer wieder erhöhen, die eigene Attraktivität steigern und damit einen zunehmenden Beitrag für die Entwicklung der Märkte leisten.
Wenn Ihr Unternehmen in der Lage ist, Verbesserungen schneller umzusetzen als Andere, bringt dies weniger Stress für alle Beteiligten, mehr Marktanteile, mehr Geschäft und bessere Ergebnisse. Falls Sie neue Produkte entwickeln, können Sie mit diesen früher an den Markt kommen und dadurch einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung erzielen. Der wirtschaftliche Erfolg Ihres Unternehmens steigt – Sie können mehr in die Zukunft investieren. Ihr Unternehmen kann den Nutzen für seine Stakeholder besser und schneller steigern. Ihre Mitarbeiter und Führungskräfte arbeiten begeistert an der Entwicklung Ihres Unternehmens mit, da Verbesserungen „Spaß machen“.

Die Realität im Veränderungsmanagement

In der Realität sieht es leider oft anders aus. Bei der Realisierung von Veränderungen sind immer wieder dieselben Probleme und Schwierigkeiten zu beobachten:

  • Kaum eine Veränderungsinitiative wird rechtzeitig und im Kostenrahmen abgeschlossen.
  • Die meisten Veränderungsinitiativen bringen sehr viel weniger Ergebnisse als geplant, versprochen oder erhofft. 50 bis 80% erreichen nicht ihr gestecktes Ziel.
  • Dass die Ziele von Veränderungsinitiativen überschritten werden, kommt so gut wie nie vor.
  • (Fast alle) Veränderungen erzeugen nur kleine lokal-positive Wirkungen, bringen negative Nebenwirkungen an anderer Stelle mit sich und nützen dem Unternehmen als Ganzes wenig – wenn sie ihm nicht sogar schaden.
  • Die Durchlaufzeit von Veränderungsinitiativen ist viel zu lang und wird immer länger. Die Wirkungen der Initiativen kommen immer langsamer.
  • Mitarbeiter haben schlechte Erfahrungen mit Veränderungen; sie misstrauen den Versprechen ihrer Führungskräfte und bieten Widerstand.
  • Die Organisation wird immer komplizierter und undurchschaubarer.
  • Initiativen erzeugen Konflikte (zwischen den Bereichen).
  • Das Topmanagement muss immer wieder Entscheidungen treffen (oft auch in chronischen Konflikten – ohne diese damit nachhaltig zu lösen).
  • Bei den meisten Veränderungen gibt es Gewinner und Verlierer.
  • Veränderungen sind kaum nachhaltig – Mitarbeiter fallen häufig in alte Gewohnheiten zurück.
  • Viele – an sich sinnvolle – Verbesserungen erscheinen von vorneherein als so lang oder aufwändig oder Widerstand erzeugend, dass sie gar nicht erst (vorgeschlagen und) realisiert werden; sie lohnen sich nicht.
  • Ein – oft signifikanter – Teil der begonnenen Veränderungsinitiativen wird wieder abgebrochen.

 

Implikationen / Auswirkungen

Die Probleme im Changemanagement hindern das Unternehmen daran, nachhaltig zu florieren:

  • Verspätet fertiggestellte oder nur mit Kompromissen realisierte Veränderungen beeinträchtigen die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens.
  • Das Vertrauen der Mitarbeiter in das Topmanagement sinkt; zukünftige Veränderungsinitiativen stoßen auf Widerstände.
  • Mitarbeiter und Führungskräfte stehen unter Stress. Ständige Prioritätenänderungen und „Feuerlöschaktionen“ nagen an Motivation, Arbeitsmoral und Gesundheit.

 

Da die meisten Unternehmen schlechte Erfahrungen mit Verbesserungsinitiativen gemacht haben, verfolgen sie typischerweise eine der folgenden Strategien:
1. Veränderung vermeiden (so werden zumindest keine Ressourcen verschwendet, der Status Quo bleibt erhalten).
2. Viele kleine, risikolose Veränderungen probieren (um Stabilität zu wahren).
3. Sehr wenige, große (oft riskante) Veränderungen wagen (um Wachstum zu erreichen).

 

Die meisten Unternehmen sind sehr gut darin, Probleme für lange Zeit zu verbergen: Prozeduren werden angepasst, um das Problem zu umgehen, bis es irgendwann vollkommen unsichtbar geworden ist und niemand mehr daran denkt, wie viel effizienter man arbeiten könnte, würde das Problem ein für alle Mal beseitigt.
Veränderungen zu vermeiden ist nur allzu menschlich. Die Angst zu Scheitern verleitet oft dazu, lieber nichts zu unternehmen als das Falsche. Aber ein „Fehler der Unterlassung“ kann oft ebenso große negative Folgen haben, wie das „Falsche“ zu unternehmen, z.B. wenn ein Problem nicht beseitigt wird.
Was also läuft falsch? Im zweiten Teil dieser umfangreichen Serie wollen wir die Gründe genauer erforschen, weswegen Veränderung so schwerfällt und meist enttäuschend ausfällt.

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